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Der Verein der Ausländischen Presse in Deutschland wurde 1906 in Berlin gegründet und feierte 2006 sein 100. Jubiläum. Der VAP ist damit die älteste Journalistenorganisation Deutschland. Seine Mitglieder– es waren im Lauf der Jahrzehnte Tausende – haben die bewegten und bewegenden Ereignisse im Deutschland des 20. Jahrhunderts von Anfang bis Ende hautnah miterlebt und beschrieben. Manch einer hat auch selbst in das Räderwerk der Geschichte gegriffen, und sei es nur, indem er zur rechten Zeit die richtige Frage stellte. Wie unser Kollege Riccardo Ehrman, der am 9. November 1989 um 18.53 Uhr auf einer Pressekonferenz zum neuen DDR-Reisegesetz dem damaligen SED-Funktionär Schabowski die alles verändernde Frage „Ab wann?“ entgegen rief. Dessen Antwort „Sofort, unverzüglich“ und der Druck Hundertausender Ostberliner öffnete noch am selben Abend die Berliner Mauer.
Auch heute noch stellen nicht selten Auslandskorrespondenten die Fragen, die für Aufregung sorgen. Wie Judy Dempsey, Berichterstatterin der International Herald Tribune, die am Tag nach der Wahl die neue Kanzlerin Angela Merkel nicht nach ihrem Regierungsprogramm, sondern nach ihren Gefühlen fragte.
Doch zurück zur Historie. Vor 100 Jahren zeigte der Verein der Ausländischen Presse "Ew. Hochwohlgeboren" im Auswärtigen Amt in Berlin mit Datum vom 30. Juni 1906 seine Gründung an. Erster Vorsitzender war der Österreicher Paul Goldmann, Korrespondent der "Neuen Presse", Wien. Aber erst 19 Jahre später - nachdem die Zahl seiner Mitglieder von anfangs ein paar Dutzend auf über 80 angewachsen war - wurde der VAP als Verein in Berlin-Mitte offiziell eingetragen.
Gegen Ende der zwanziger Jahre gewann der VAP stark an Einfluss. Die Pressebälle, die der Verein jedes Jahr in den Berliner Hotels "Adlon" und "Esplanade" veranstaltete, zählten zu den glanzvollsten Ereignissen der Berliner Gesellschaft. Die von Auslandskorrespondenten frequentierte Bar im "Adlon" galt als Top-Informationsbörse.
Egon Erwin Kisch, der die Prager Zeitung "Lidové noviny" in Berlin vertrat, war eines der besonders schillernden VAP-Mitglieder der Vorkriegszeit. Der Titel eines seiner Bücher, "Der rasende Reporter", wurde zum Markenzeichen einer ganzen Berufsgattung.
Reportagen über das Nazideutschland der dreißiger Jahre machten viele ausländische Journalisten in ihren Heimatländern berühmt. Zwei ehemalige VAP-Vorsitzende, Edgar Mowrer von der "Chicago Daily News" und Louis. P. Lochner, langjähriger Chefkorrespondent von "Associated Press", erhielten für ihre herausragenden Reportagen den Pulitzerpreis.
Trotz vieler Schikanen durch Propagandaminister Joseph Goebbels verteidigte der VAP seine Unabhängigkeit bis zur Ausrufung des "totalen Krieges" 1942. Aber auch die Auslandspresse hat ihre Vergangenheit zu bewältigen: Einer ihrer Vorsitzenden wurde wegen Kollaboration mit den Nazis 1946 hingerichtet.
Nur in einer kurzen Pause - zwischen 1945 und 1951 - ruhte der Verein. Sechs Jahre nach dem zweiten Weltkrieg gründeten sich 1951 in Bonn und Berlin zwei voneinander unabhängige VAP, die sich über viele Jahre freundschaftlich verbunden blieben, mit der Zeit aber auch in Konkurrenz zueinander traten. Aufgrund der besonderen völkerrechtlichen Situation im geteilten Deutschland mussten beide Vereine der Ausländischen Presse getrennt weiter geführt werden. Sie standen in der Tradition des VAP von 1906; beide behielten den Gründungsnamen bei. Im VAP Berlin konnten nicht nur jene Kollegen Mitglied werden, die ihre Büros in Westberlin hatten, sondern auch diejenigen - überwiegend osteuropäische Kollegen -, die aus der "Hauptstadt der DDR" berichteten. Der VAP Bonn versammelte im gleichen Jahr die Auslandskorrespondenten, die in der "provisorischen Hauptstadt" am Rhein bei der Bundesregierung akkreditiert waren.
Viele VAP-Journalisten machten sich einen Namen mit Auftritten beim "Internationalen Frühschoppen" im deutschen Fernsehen. Journalisten wie David Binder (New York Times), Frederick Forsyth (Reuters), Daniel Vernet (Le Monde), Albert Grigoriants (Iswestija), Ramesh Jaura (All-India-Radio), Fred Luchsinger (Neue Zürcher Zeitung), Elizabeth Pond (Christian Science Monitor), Albert Klein (freier Journalist), Ewald König (Die Presse) und Clive Freeman (Sunday Express) verhalfen dem VAP zu beachtlichem Prestige. Die meisten von ihnen dienten dem VAP auch als Vorsitzende.
1999, nach dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin, schlossen sich die beiden VAP zum neuen, alten Verein der Ausländischen Presse in Deutschland mit Sitz in Berlin zusammen. Mit der Wiedervereinigung hat auch der Verein der Ausländischen Presse in Deutschland ein neues Kapitel aufgeschlagen. Anknüpfend an die hundert Jahre alte Tradition stellt sich der VAP nun mit einer modernen Infrastruktur den Herausforderungen des Internet-Zeitalters. Der VAP hat heute mehr als 400 aus rund 60 Ländern, von denen die meisten von Berlin aus berichten. Aber auch im Raum Bonn und Frankfurt ist der Verein vertreten. VAP-Mitglieder prägen auch im 21. Jahrhundert weitgehend das Bild mit, das sich das Ausland von Deutschland macht.
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